Anleihen

Vermögensaufbau durch Geldverleih

Anleihen (auch Bonds genannt) können ein interessanter Baustein in einem breit aufgestellten Portfolio sein.

Im Grunde genommen ist es recht einfach erklärt. Ein Freund möchte sich 100 € von dir leihen. Er verspricht dir, das Geld in 3 Jahren wieder zurückzugeben. Als Dank zahlt er dir zusätzlich jedes Jahr 5 €, also 5%.

Am Ende hast du also deine 100 € plus zusätzlich 15 €.

Bei einer Anleihe gibt es drei wichtige Begriffe, die du kennen musst:

  • Nennwert: Der Betrag, den du verleihst (100 €).
  • Kupon (Zins): Die Belohnung, die du jährlich bekommst (5 %).
  • Laufzeit: Das Datum, an dem du dein Geld garantiert zurückbekommst (in 3 Jahren).

In der Regel sind es Unternehmen oder Staaten wie Deutschland, die Anleihen ausgeben. Sie brauchen das Geld, um bspw. in Fabriken zu investieren, oder um Straßen und Brücken instand zu halten.

Welche Vorteile bieten Anleihen?

Anleihen unterscheiden sich von Aktien:

  1. Sicherheit: Staatsanleihen von stabilen Ländern oder gesunden Unternehmen gelten als sehr sicher.
  2. Planbarkeit: Du weißt genau, wann wie viel Geld fließt.
  3. Gegenpol zu Aktien: Wenn die Börse crasht, schwanken Anleihen oft weniger stark.

Welche Risiken gibt es?

Das Risiko besteht schlicht und ergreifend darin, dass dein Freund nach drei Jahren pleite ist und dir die 100 € nicht zurückzahlen kann. Das Gleiche kann mit Unternehmen passieren.

Um das Risiko besser einschätzen zu können, gibt es ein Rating, also quasi eine Art Schulnotensystem.

AAA: Diese Note bekommen Unternehmen und Staaten, bei denen das Ausfallrisiko sehr gering ist. Sie gelten als besonders zuverlässig. Deutschland hat zum Beispiel dieses Rating. Auch die Firma Microsoft hat ein AAA-Rating.

Bei Ratings wie ‚C‘ oder ‚D‘ muss man vorsichtig sein. Hier handelt es sich um Wackelkandidaten – das Geld könnte weg sein.

Anleihe-ETFs

Einzelne Anleihen zu kaufen, kann kompliziert und teuer sein. Oft musst du mindestens 1.000 € oder sogar 10.000 € auf einmal investieren. Das ist also nicht wirklich was, für uns Privatanleger.
Hier kommen Anleihen-ETFs (Exchange Traded Funds) ins Spiel – sie sind quasi der „Sammelkorb“ für deine Investments.

Wie funktioniert das?
Stell dir vor, statt einer einzelnen Anleihe von Deutschland zu kaufen, kaufst du einen Anteil an einem riesigen Korb, in dem Hunderte verschiedene Anleihen liegen: von Deutschland, Frankreich, den USA oder auch von stabilen Firmen wie Microsoft.

Warum ist das für dich als Anleger genial?

  1. Geringes Budget: Du kannst schon ab 1 € (per Sparplan) einsteigen.
  2. Risikostreuung (Diversifikation): Wenn ein Staat oder eine Firma im Korb pleitegeht, merkst du das kaum, weil die anderen 99 Anleihen das auffangen.
  3. Kein Stress mit der Laufzeit: Ein normaler Bond endet irgendwann. Ein ETF verkauft automatisch Anleihen, die bald auslaufen, und kauft neue nach. Er „lebt“ also ewig.

Wie du siehst, sind Anleihen ein weiterer spannender Baustein beim langfristigen Vermögensaufbau. Wer sich mit dem Thema Finanzen beschäftigt, stolpert zwangsläufig irgendwann über dieses Thema. Jetzt hast du das nötige Grundwissen dafür.

Zusammenhang: Aktien und Anleihen

Anleihen zu verstehen, ist nicht nur wichtig, wenn man direkt oder indirekt (mit ETFs) in sie investieren möchte. Man sollte als Investor auch verstehen, wie Aktien- und Anleihemarkt zusammenhängen.

Zunächst einmal haben Anleihen und deren Zinsen (Kupon) einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft und damit auch auf die Entwicklung von Aktien:

  • Wenn ein Unternehmen in neue Maschinen investieren möchte, und sich dafür Geld leiht, muss es höhere Zinsen zahlen. Die Kosten für die Finanzierung steigen.
  • Staaten wie die USA, Deutschland und so ziemlich alle anderen haben eines gemeinsam: Sie haben riesige Schuldenberge, die sie vor sich herschieben. Hier ist es wie bei den Firmen: Ein höherer Zins bedeutet höhere Kosten und das Geld wird knapper.
  • Auch für dich hat es Auswirkungen: Du möchtest ein Haus finanzieren und hast gerade nicht das nötige Kleingeld dafür in der Tasche? Dann gehst du zur Bank und fragst nach einem Kredit. Auch hier wieder: Höherer Zins bedeutet höhere Ausgaben für dich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, ist die Attraktivität von Anleihen für Investoren. Im Jahr 1981 hast du 15% Zinsen auf eine US-Staatsanleihe mit Laufzeit 30 Jahre bekommen. Also, du leihst der US Regierung Geld und bekommst dafür jedes Jahr 15% Zinsen und am Ende der Laufzeit bekommst du dein Geld wieder komplett zurück.

Ein super Geschäft! Sicher und lukrativ.

Du kannst dein Geld natürlich nicht gleichzeitig in Aktien und in Anleihen investieren. Solange Anleihen so attraktiv sind, würdest du sie den riskanten Aktien vorziehen.

Die Frage stellt sich nicht nur für Privatanleger wie dich und mich, sondern auch die Bank-Profis stehen vor dieser Entscheidung. Sie verantworten viele Milliarden Euro ihrer Kunden, und die wollen Rendite sehen.

Wenn also die Zinsen für Anleihen hoch sind, macht sie das gegenüber anderen Anlageklassen attraktiver und das Geld fliest eher dorthin. Durch die geringere Nachfrage nach Aktien, sinkt deren Kurs.

Andersherum ist es, wenn die Renditen bei Anleihen gering sind. Dann gehen die Investoren eher wieder das Risiko mit Aktien ein und verlagern ihr Geld in diese Richtung. Durch die größere Nachfrage steigt der Kurs von Aktien.

Fazit

Mit Anleihen hast du heute eine super spannende Anlageklasse kennengelernt.

Staaten und Unternehmen nutzen sie um sich Geld zu leihen. Sie zahlen den Geldgebern Zinsen, dafür dass sie das Kapital zur Verfügung stellen. Investoren nutzen sie, um ihr Geld anzulegen und mit den Zinsen eine stabile und sichere Rendite zu erzielen.

Die Höhe der Zinsen hat starke Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft und auf die Attraktivität von Aktien.