Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Der Zinseszins-Effekt ist das achte Weltwunder.” Was er damit gemeint haben könnte, lernt ihr in diesem Beitrag.
Was ist eigentlich der ‘Zins’?
Stell dir einfach vor, du leihst deinem besten Freund dein Fahrrad für eine Woche. Nach einer Woche bekommst du das Fahrrad zurück. Als Dankeschön gibt dir dein Freund eine Tüte Gummibären. Die Gummibären sollen dich dafür entschädigen, dass du dein Fahrrad eine Woche lang nicht nutzen konntest. Sie sind der ‘Zins’.
Genauso verhält es sich mit Geld. Wenn du dir Geld von der Bank leihst, musst du der Bank dafür Zinsen bezahlen. Wenn du jemandem Geld leihst, bekommst du dafür Zinsen. Es ist also die Leihgebühr für Geld.
Stell dir vor, du hast 100 € auf dem Konto und bekommst dafür 5% Zinsen pro Jahr. Nach einem Jahr bekommst du also 5 € und hast damit 105 €. Im zweiten Jahr bekommst du wieder 5% Zinsen. Dieses Mal aber nicht mehr auf 100 €, sondern auf 105 €. 5% von 105 € sind 5,25 €. Nach zwei Jahren hast du also schon 110,25 €.
Im dritten Jahr werden die 5% Zinsen auf 110,25 € gerechnet, was 5,51 € sind. Du hast dann schon 115,76 €.
Zur besseren Übersicht, hier nochmal die Beträge zusammengefasst:
Jahr 1: 5 % von 100 € = 5,00 € -> Endstand 105,00 €
Jahr 2: 5 % von 105 € = 5,25 € -> Endstand 110,25 €
Jahr 3: 5 % von 110,25 € = 5,51 € -> Endstand 115,76 €
Obwohl der Zinssatz jedes Jahr gleich bleibt (5%), bekommst du trotzdem jedes Jahr mehr Geld. Dieses Prinzip nennt man ‘Zinseszins-Effekt’, weil du nicht nur Zinsen auf dein Startkapital bekommst, sondern auch Zinsen auf die Zinsen aus den Vorjahren.
Ich weiß, auf den ersten Blick ist das nicht wirklich ein Weltwunder. Dazu wird es erst, wenn man den Faktor Zeit hinzufügt. Und Zeit ist genau das, was du zur Genüge hast. Junge Menschen haben zwar nicht viel Geld, aber dafür Zeit. Und da du so viel Zeit hast, reicht schon wenig Geld, um das Wunder wirken zu lassen.
Wenn wir das obige Beispiel weiterlaufen lassen und ins Jahr 20 vorspulen, sieht es schon anders aus. Aus den ursprünglichen 100 € wurden 265,33 €.
Der Zinseszins hat dein Geld also in 20 Jahren weit mehr als verdoppelt, ohne dass du irgendeine Arbeit verrichten musstest.
Ok, klar. 265,33 € ist immer noch kein Weltwunder-verdächtiges Vermögen. Aber spielen wir das ganze einmal mit einer monatlichen Sparrate durch:
Sagen wir, du schaffst es, jeden Monat 10 € anzulegen. Nach einem Jahr hast du 120 € gespart und 3,25 € Zinsen bekommen.
Aber du hörst nicht auf. Auch im zweiten Jahr sparst du wieder 10 € jeden Monat. Am Ende des Jahres hast du 240€ gespart und 12,63 € obendrauf bekommen. Du hast also insgesamt 252,63 €.
Auch jetzt spulen wir wieder vor. Nach 20 Jahren hast du:
2.400 € gespart und
1.710 € Zinsen bekommen.
Du hast also insgesamt 4.110 €
Verdoppeln wir den Zeitraum auf 40 Jahre. In dieser langen Zeit schlägt der Zinseszinseffekt voll zu. Es ist sogar so, dass du mehr Geld von den Zinsen bekommst, als du selbst eingezahlt hast, genauer gesagt:
4.800 € gespart und
10.520 € Zinsen bekommen.
Du hast also insgesamt 15.320 €.
Dafür, dass du jeden Monat 10 € zur Seite legst und zu 5% verzinst, wirst du im Laufe der Zeit massiv belohnt.
Der Effekt wird natürlich umso größer, je mehr du monatlich sparen kannst. Als junger Mensch sind 10 € pro Monat natürlich viel Geld. Aber im Laufe der 40 Jahre wirst du einen Beruf lernen und dein eigenes Geld verdienen. Du kannst also im Laufe deines Lebens die Sparrate erhöhen und mit Hilfe des Zinseszins Effektes ein Vermögen aufbauen.
Ein zweiter Faktor, ist die Höhe des Zinses. Je mehr Zinsen du auf dein Geld bekommst, desto schneller und mächtiger wirkt der Zinseszins. Ein beeindruckendes Beispiel ist das Papierfalt-Beispiel:
Stell dir vor, du könntest ein Blatt Papier 42 mal falten. Bei jedem mal Falten, verdoppelt sich die Höhe des Stapels. Der Zins ist also 100%. Wie hoch ist der Stapel nach 42 Faltungen?
Ein einfaches Blatt Papier hat eine Dicke von 0,1 Millimeter. Nach 42-maligem Falten ist der Stapel unglaubliche 440.000 Kilometer hoch! Oder anders ausgedrückt: Er reicht von der Erde bis zum Mond!
Leider bekommt man keine 100% Zinsen bei der Bank. Ebenso sind die Zeiten vorbei, bei denen man 5% Zinsen bekommen hat. In Wirklichkeit bekommt man heutzutage so gut wie gar keine Zinsen mehr. Wozu also das Ganze?
In den folgenden Beiträgen erfährst du, wie du den Zinseszins-Effekt trotzdem für dich arbeiten lassen kannst, nämlich indem das Geld in Finanzprodukte investiert wird, deren Wert im Laufe der Zeit steigt oder die eine sog. „Dividende“ abwerfen.

