„Lass dein Geld für dich arbeiten!“
Diesen Spruch hast du sicherlich schon des Öfteren im Zusammenhang mit dem Thema Investment und Vermögensaufbau gehört. Aber was ist damit genau gemeint?
Als allgemeinen Einstieg und zum besseren Verständnis, empfehle ich dir den Artikel zum Zinseszins zu lesen. Dort wird erklärt, wie sich Geld im Laufe der Zeit vermehren kann.
Ein praktisches Beispiel dafür, wie dein Geld Geld verdient sind Dividenden. Einfach ausgedrückt, verteilen manche börsennotierten Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne an ihre Aktionäre. Man sagt, sie schütten eine Dividende aus.
Aber nochmal von vorne. Nehmen wir unser Beispiel mit dem Schifffahrts-Unternehmen (siehe Beitrag Was ist eine Aktie?). Durch den Verkauf der Aktien hat die Firma genug Geld eingenommen, um ein Schiff zu kaufen. Die Geschäfte liefen gut. Am Ende des Jahres konnten alle Rechnungen für Kraftstoff, Reparaturen und Ersatzteile sowie alle Löhne für die Mitarbeiter bezahlt werden. Darüber hinaus blieb sogar ein Gewinn übrig. Die Firma hat also mehr eingenommen, als sie ausgegeben hat. Perfekt!
Jetzt stellt sich die Frage, was die Firma mit dem Gewinn macht. Dieser Gewinn gehört nicht dem Chef der Firma. Er gehört allen Aktionären. Denn jeder, der eine oder mehrere Aktien gekauft hat, hat damit einen kleinen Teil des Unternehmens gekauft.
Also, was machen wir mit dem Geld? Folgende Möglichkeiten gibt es:
- Sparen: Wir legen es zur Seite und sparen es für schlechte Zeiten.
- Investieren: Wir kaufen davon ein weiteres Schiff, stellen mehr Personal ein oder kaufen einen besseren Motor für unser aktuelles Schiff.
- Ausschütten: Wir schütten es an uns aus. Jeder Aktionär bekommt einen Teil des Gewinns, je nachdem wie viele Aktien er hält.
Ich weiß, irgendwie klingt das komisch und nicht richtig. Wir als Aktionäre haben doch gar nichts dafür getan. Warum sollten wir Geld bekommen?
Aber so ist es nicht ganz. Wir haben unser eigenes Erspartes eingesetzt und Aktien von der Firma gekauft. Wir sind dabei ein gewisses Risiko eingegangen.
Was wäre, wenn die Geschäfte schlecht laufen? Der Aktienkurs sinkt. Meine Aktie, die ich für 100 € gekauft habe, ist nur noch 75 € wert.
Für dieses Risiko werden wir in Form von einer Dividende belohnt. Es ist die Gebühr dafür, dass wir auf unser Geld nicht zugreifen können, da es in Aktien der Firma gebunden ist (außer man verkauft die Aktien).
Natürlich ist es auch kein entweder/oder. Oft wird nicht der gesamte Gewinn ausgeschüttet, sondern nur ein Teil. Mit dem Rest werden Neuanschaffungen getätigt und etwas zur Seite gelegt. Auch hier profitierst du als Aktionär, weil dadurch die Firma weiter wächst und in Zukunft noch mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaften kann, was den Aktienkurs positiv beeinflusst. Manche Firmen schütten gar keine Dividende aus.
Wenn dir als Aktionär eine Dividende gezahlt wird, kannst du entscheiden, was du damit machst. Das allerbeste ist, wenn du das Geld re-investierst, also bspw. davon noch mehr Aktien von der Firma kaufst. Damit erhöhst du deinen Aktienanteil und bekommst im nächsten Jahr noch mehr Dividende. Erinnerst du dich an den Zinseszins-Effekt? Genau so wird er aktiviert.
Die große Diskussion: Gut oder Böse?
Um Dividenden gibt es oft hitzige Debatten. Hier sind zwei Sichtweisen:
Kritik: „Nur was für reiche Säcke“
Kritiker sagen oft, dass Dividenden ungerecht sind. Ihr Argument: Die Firmen schütten Milliarden an reiche Investoren aus, anstatt das Geld den Arbeitern zu geben oder die Preise für die Kunden zu senken. Sie sehen Dividenden als ein Werkzeug, das die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer macht, weil diejenigen, die schon viel Geld haben, am meisten profitieren.
Gegenposition: Die „Rente“ für Kleinanleger
Viele Finanzexperten sehen das ganz anders. Sie sagen: Dividenden sind demokratisch. Früher konnten nur extrem reiche Leute in große Projekte investieren. Heute kannst du schon mit 10 € über einen Sparplan Miteigentümer der größten Firmen der Welt werden.
Für den „Normalo“ oder Kleinverdiener sind Dividenden der Motor zum Vermögensaufbau.
Ich denke hier gibt es kein Wahr oder Falsch. Mir ist nur wichtig, dass du mit dem Wissen aus meinem Blog die Grundlagen des Investierens kennenlernst, um dir selbst eine Meinung zu bilden.
Dividenden ETFs
Aber wie investiert man am Besten in Unternehmen, die Dividenden auszahlen? Ich habe dazu einen sehr informativen Beitrag von Christian W. Röhl gefunden. Du findest ihn auf Youtube oder als Podcast unter dem Titel: Dividenden: Die großen Community-Fragen beantwortet | Q&A mit Christian | Asset Class #66
Hier ist eine Zusammenfassung seines Beitrags:
Christian W. Röhl stellt verschiedene ETFs vor, die sich auf Dividenden-Aktien spezialisiert haben. Statt auf einzelne Aktien zu setzen, setzt man damit auf einen ganzen Korb voller verschiedener Aktien und streut somit das Risiko.
1. Der Qualitäts-Fokus: L&G Global Quality Dividend ETF
Dieser relativ neue ETF setzt nicht stumpf auf die höchste Rendite, sondern filtert die Unternehmen extrem streng nach ihrer wirtschaftlichen Gesundheit.
- Die Strategie: Die Basis bildet der FTSE Global Developed Markets Index (ohne Schwellenländer, aber inklusive kleinerer Unternehmen, den Small Caps). Nun fliegen alle Unternehmen raus, deren Dividende in den letzten 10 Jahren gesunken ist. Zudem werden Firmen aussortiert, die rote Zahlen schreiben (negative Eigenkapitalrendite), eine schlechte Profitabilität haben oder zu hohe Schulden aufweisen.
- Die Besonderheit: Die übrig gebliebenen rund 960 Unternehmen werden gleichgewichtet. Das bedeutet: Alle sechs Monate erhält jede Aktie exakt den gleichen Anteil am ETF. Es gibt also keine Klumpenrisiken durch einzelne Mega-Konzerne. Als Bonus schüttet dieser ETF seine Erträge monatlich aus.
- Rendite & Struktur: Die durchschnittliche Dividendenrendite liegt aktuell bei ca. 3,8 %. Die stärksten Branchen sind Finanzwerte (30 %) und Industrieunternehmen (20 %). Da viele US- und Tech-Unternehmen die strengen Qualitätsfilter nicht bestehen, ist der USA-Anteil mit 30 % deutlich geringer als bei normalen Welt-ETFs.
2. Der Rendite-Jäger: VanEck Morningstar Dividend Leaders ETF
Wenn du den Fokus voll auf eine möglichst hohe Ausschüttung legen willst, ist dieser Ansatz der aggressivste unter den Dreien.
- Die Strategie: Das Auswahlverfahren ist deutlich simpler. Es wird lediglich geprüft, ob das Dividendenwachstum der letzten 5 Jahre positiv war und ob die Ausschüttungsquote unter 75 % des Gewinns liegt. Aus den verbleibenden Aktien kommen die 100 Unternehmen mit der besten Dividendenrendite in das Portfolio.
- Die Besonderheit: Gewichtet wird hier nicht gleich und auch nicht nach Börsenwert, sondern nach dem absoluten Dividendenvolumen. Das bedeutet: Große Konzerne, die viel Geld ausschütten, bekommen das größte Gewicht. Das Portfolio ist mit nur 100 Werten sehr konzentriert und kann Klumpen von bis zu 5 % bei einer einzigen Aktie (wie z. B. Exxon Mobil) enthalten.
- Rendite & Struktur: Dieser ETF liefert mit rund 4,5 % die höchste durchschnittliche Dividendenrendite im Vergleich. Er lebt stark von traditionellen Branchen – europäische Banken und Versicherungen machten hier in den letzten Jahren zeitweise das Limit von 40 % des Portfolios aus.
3. Der sanfte Riese: Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF
Dieser ETF wählt den goldenen Mittelweg: Er sucht nach hoher Rendite, streut das Risiko aber so breit wie möglich.
- Die Strategie: Der ETF verzichtet komplett auf Qualitätskriterien wie Verschuldung oder Dividendenwachstum. Er nimmt die Liste aller Aktien aus den Industrie- und Schwellenländern (FTSE All-World), sortiert sie absteigend nach ihrer Dividendenrendite und packt so lange Unternehmen in den ETF, bis die Hälfte des gesamten Marktkapitalisierung abgedeckt ist.
- Die Besonderheit: Gewichtet wird ganz klassisch nach dem Börsenwert der Unternehmen. Dadurch, dass die teuren Tech-Giganten ohne Dividende herausfallen, entstehen hier völlig andere Gewichtungen als im normalen Welt-ETF. Mit aktuell über 2.300 enthaltenen Aktien ist das Risiko gigantisch gut gestreut. Wenn ein Unternehmen in die Krise rutscht (eine sogenannte Dividendenfalle), fällt das bei dieser Masse überhaupt nicht ins Gewicht.
- Rendite & Struktur: Die Dividendenrendite liegt mit ca. 3,8 % auf einem ähnlichen Niveau wie beim L&G-Qualitäts-ETF. Die Top-10-Unternehmen machen gerade einmal gut 10 % des Gesamtgewichts aus.
Worauf musst du bei der Auswahl achten?
Alle drei vorgestellten Dividenden-ETFs sind solide Produkte. Es gibt hier kein pauschales „Richtig“ oder „Falsch“, sondern es kommt darauf an, was du persönlich für dein Depot suchst:
- Weniger Tech, mehr Substanz: Alle drei ETFs enthalten deutlich weniger Technologie-Aktien als ein normaler Welt-ETF. Wenn du also das Gefühl hast, dass dein Depot durch den aktuellen KI-Boom zu kopflastig geworden ist, kannst du mit diesen ETFs ein hervorragendes defensives Gegengewicht aufbauen.
- Die Sache mit der monatlichen Ausschüttung: Der L&G-ETF lockt viele Anleger mit seiner monatlichen Zahlungsweise an. Christian W. Röhl nennt das humorvoll den „monetären Nieselregen“. Psychologisch fühlt sich das super an, aber es sollte nicht dein einziges Argument sein. Am Ende entscheidet die Qualität der Anlagestrategie, nicht wie oft der Broker ausschüttet.
- Keine Garantie auf Überrendite: Man muss ehrlich zu sich selbst sein: Es gibt keine Strategie, die in jeder Marktphase besser läuft als der breite Markt. Dividenden-Strategien schneiden oft dann schlechter ab, wenn der Tech-Sektor extrem boomt. Sie spielen ihre Stärken aus, wenn der Markt unruhig ist oder traditionelle Branchen wie Banken und Energie vorn liegen.

