Börsencrashs

Bei jungen Vermögensaufbauern könnte der Eindruck entstehen, dass es an der Börse immer nur bergauf geht. KI-Firmen treiben die Indizes unaufhörlich voran, Gewinne sprudeln, Hunderte Milliarden Dollar werden jährlich in Rechenzentren gepumpt.

Dass das nicht immer so ist, zeigen die großen Börsencrashs der letzten 100 Börsenjahre. Auch im Vorfeld dieser Crashs gab es lange Zeit nur eine Richtung an der Börse: Norden

In diesem Beitrag möchte ich auf die Schattenseiten der Börse eingehen. Wir schauen uns die wichtigsten und größten Crashs der letzten 100 Jahre an und leiten daraus ab, was wir beim langfristigen Vermögensaufbau beachten müssen.

Black Thursday 1929

Die 1920er Jahre werden oft als die Goldenen Zwanziger (Roaring Twenties) bezeichnet. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wollten die Menschen ihr Leben wieder genießen und blickten positiv in die Zukunft.

Neue technische Innovationen wie das Automobil, das Radio, Kühlschränke und Staubsauger eroberten den Massenmarkt. Die Wirtschaft boomte. Aber im Hintergrund zogen dunkle Wolken auf.

Viele Amerikaner konnten sich die neuen Konsumgüter nicht leisten, wollten darauf aber nicht verzichten. Ratenkredite kamen in Mode – Buy now, pay later war ganz normal. Der Schuldenstand wuchs erheblich. Auch Aktien wurden auf Pump gekauft. Man hoffte, die Kredite mit den Gewinnen aus Aktien zurückzahlen zu können.

Im September 1929 fing die Fassade an zu bröckeln. Erste Zweifel kamen auf, ob der „ewige Wohlstand“ tatsächlich ewig hält. Erfahrene Börsenmakler erkannten allmählich, dass sich eine Spekulationsblase gebildet hatte und zogen ihr Geld aus dem Aktienmarkt zurück. Auch die Privatanleger erkannten, wie gefährlich die Situation geworden war. Es floss kein Geld mehr in den Markt. Die Kurse begannen zu sinken.

Am 24. Oktober 1929 – dem berühmten „Schwarzen Donnerstag“ (Black Thursday) – schlug die Stimmung in nackte Panik um. Da viele Anleger ihre Aktien mit Krediten gekauft hatten, verlangten die Banken bei den ersten Kursverlusten sofort Nachschüsse. Gemeint ist damit der sogenannte Margin Call: Wenn der Wert des Portfolios fällt, fordert die Bank den Anleger auf, unverzüglich frisches Geld nachzuschießen, um den Kredit abzusichern.

Wer kein Bargeld mehr hatte, dessen Aktien wurden von den Banken zwangsverkauft. Das löste eine Kettenreaktion aus: Massenhafte Verkäufe drückten die Kurse noch weiter nach unten, was wiederum die nächsten Verkäufe auslöste. Alle wollten gleichzeitig ihre Aktien loswerden, aber niemand wollte sie mehr kaufen. Der Ticker-Meldungsservice an der Wall Street kam mit dem Drucken der fallenden Kurse nicht mehr hinterher, was die Verwirrung und Angst auf dem Börsenparkett komplett machte. Innerhalb weniger Tage lösten sich Milliardenvermögen in Luft auf.

Die Krise war nicht nur auf den amerikanischen Markt beschränkt. Auch in Europa kam es zum Ausverkauf an den Börsen. Viele Menschen verloren ihr Erspartes. Aber auch Unternehmen kamen in Schieflage und mussten aufgeben. Hohe Arbeitslosigkeit war die Folge, der Konsum brach ein und die Welt taumelte in die Weltwirtschaftskrise.

Börsenparkett der New York Stock Exchange, 6 Monate nach dem Crash
Quelle: Wikimedia Commons

Black Monday – 19. Oktober 1987

Auch beim Crash 1987 waren die Jahre vorher von einem Aktienboom geprägt. Je höher die Aktien stiegen, desto höher war auch die Gier. Aber die US-Notenbank erkannte die Probleme und kündigte Zinserhöhungen an.

Hohe Zinsen sind nicht gut für Aktienkurse. Warum?
Weil dann andere Anlageformen attraktiver werden und die Leute ihr Geld lieber dort investieren, bspw. in Anleihen.

Trotzdem löst nicht jede Zinserhöhung gleich einen Börsencrash aus. Im Jahr 1987 kam noch ein weiterer Faktor hinzu: die ersten Computer eroberten das Börsenparkett.

Großanleger nutzten erstmals automatische Computerprogramme, um ihre Trades abzusichern. Die Programme sollten automatisch Aktien verkaufen, wenn der Markt um X Prozent fällt. Das kann man auch heute in seinem Broker einstellen. Stell dir vor, du hast eine Aktie, die gut lief, und du möchtest dir sicher sein, dass du die Gewinne mitnehmen kannst. Dann gibst du in deinem Broker eine sog. „Stop-Loss-Order“ ein. Dabei definierst du den „Stop-Kurs“. Fällt die Aktie unter diesen Kurs, wird sie automatisch verkauft.

Im Jahr 1987 lösten diese Programme eine Verkaufslawine aus. Als die Kurse am Morgen des 19. Oktober leicht fielen, lösten die Computer automatisch gigantische Verkäufe aus. Diese Verkäufe drückten die Kurse weiter, was wiederum die Computer noch mehr verkaufen ließ. Eine klassische, unaufhaltsame Kettenreaktion, die nicht mehr zu stoppen war. Der Leitindex Dow Jones stürzte an einem Tag um über 20 Prozent ab.

Trotzdem kam es bei diesem Crash nicht zu einer jahrelangen Wirtschaftskrise wie in den Folgejahren nach 1929. Grund war das beherzte Eingreifen der US-Notenbank unter ihrem Leiter Alan Greenspan. Er flutete den Markt mit billigem Geld (Zinssenkungen) und versprach den Banken unbegrenzte Liquidität. Das verhinderte eine Panik im Bankensystem. Bereits Ende 1989 hatte der Dow Jones seinen alten Höchststand wieder erreicht.

Als Folge des Crashs wurden Schutzmechanismen eingeführt, um eine Kettenreaktion in Zukunft frühzeitig stoppen zu können. Fallen die Märkte schlagartig um einen hohen Prozentsatz, wird der Handel gestoppt und es werden keine Verkäufe mehr ausgeführt.

Die Dotcom-Blase – 2000

Die 1990er Jahre waren der Aufbruch ins Zeitalter des Internets. Als Sir Tim Berners Lee 1989 an der Forschungseinrichtung CERN bei Genf eine Möglichkeit suchte, Forschungsergebnisse auf einfache Art und Weise mit Kollegen auszutauschen, erfand er das World Wide Web (www) und legte damit den Grundstein der Internet-Kommunikation.

Diese neue Technologie löste im darauffolgenden Jahrzehnt einen Hype aus. Jeder wollte ein Stück vom Kuchen abhaben. Bei Investoren setzte eine Art Torschlusspanik ein. Es wurde in alles investiert, was irgendwie nach Internet aussah. Oft reichte es aus, im Firmennamen ein „.com“ (dotcom) zu haben, um Investorengelder anzulocken, selbst wenn die Firma noch keinen Cent verdient hatte.

Quelle: AI generated

Die Aktien der „dotcom“-Firmen schossen in die Höhe. Die Vernunft wurde komplett ausgeschaltet, die Gier übernahm das Ruder. Anfang des Jahres 2000 wurde ersten Investoren bewusst, wie gefährlich die Lage war. Als die Notenbank die Zinsen anhob, platzte die Blase. Es war nicht ein Ereignis eines einzelnen Tages, vielmehr zog sich der Crash über Jahre hin. Der Technologie-Index NASDAQ verlor zwischen März 2000 und Oktober 2002 über 75 Prozent seines Wertes. Unzählige Internet-Start-Ups gingen pleite, und das Geld der Anleger war futsch.

Es dauerte unglaubliche 15 Jahre, bis der Nasdaq sein Allzeithoch aus dem Jahr 2000 wieder erreichte. Für viele Privatanleger war dieser Crash ein traumatisches Erlebnis, und sie kehrten dem Aktienmarkt den Rücken zu. In Deutschland strahlt dieser Effekt bis heute nach. Der Anteil der Bevölkerung, die am Aktienmarkt investiert sind, ist vergleichsweise gering (lies dazu gerne den Beitrag Die Deutschen – Sparer aber keine Investoren).

Die Weltfinanzkrise (2007/2008)

Die nächste Krise ließ nicht lange auf sich warten. Wieder war es die Gier der Menschen und fehlende Sicherheitsmechanismen, welche zum Crash führten. Aber dieses Mal waren es nicht Computerprogramme oder die Hoffnungen der neuen Internet-Ära. Es waren die Immobilien, welche zur Krise wurden.

Besser gesagt: Die Kredite, die von Banken an Menschen vergeben wurden, die sich ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollten. Das ist erst mal nichts ungewöhnliches. Die wenigsten Menschen haben ein paar hunderttausend Dollar auf der Bank, um sich ein Haus zu kaufen. Einen Immobilienkredit aufzunehmen ist völlig normal.

Das Problem war, dass die Banken bedenkenlos Kredite an Menschen vergeben haben, die sich das eigentlich gar nicht leisten konnten. Eine Bank sollte vorher die „Kreditwürdigkeit“ prüfen und sich fragen: „Kann dieser Mensch mit seinem Einkommen den Kredit überhaupt jemals zurückzahlen?“

Krasse Negativ-Beispiele zeigen, wie zügellos das System war:
Ein Erdbeerpflücker aus Kalifornien verdiente ein unregelmäßiges Einkommen von etwa 14.000 Dollar im Jahr. Eine Bank genehmigte ihm problemlos eine Hypothek über 724.000 Dollar für ein großes Haus. Der Bänker trug einfach ein fiktives astronomisches Einkommen in das Formular ein – die Bank verlangte keinerlei Nachweise wie Lohnabrechnungen oder Steuererklärungen.

Das gesamte System hing am seidenen Faden. Es funktionierte nur, solange die Immobilienpreise hoch und die Kreditzinsen niedrig waren. Als die Zinsen stiegen und die Immobilienpreise in den USA fielen, konnten Millionen Amerikaner ihre Kredite nicht mehr bedienen und verloren ihr Zuhause. Das gigantische Kartenhaus stürzte ein.

Wenn eine Bank viele Kredite vergeben hat, aber das Geld nicht mehr zurückbekommt, hat sie ein riesiges Problem. Immerhin verdient sie mit den Zinseinnahmen ihr Geld. Der traditionsreichen Großbank Lehman Brothers wurde dies zum Verhängnis, und sie ging pleite. Die Bilder von Bankangestellten, die mit ihren Kartons das Bankgebäude verließen, gingen um die Welt.

Das löste eine weltweite Schockwelle und absolute Panik aus. Keine Bank vertraute mehr der anderen, das globale Finanzsystem fror quasi ein. Die Aktienmärkte weltweit rauschten in die Tiefe. Der deutsche DAX verlor in der Spitze über 50 Prozent seines Wertes, der MSCI World stürzte massiv ab.

Es kam zur schwersten globalen Wirtschaftskrise seit 1929. Staaten mussten mit Hunderten Milliarden Steuergeldern Banken retten, um einen kompletten Systemkollaps zu verhindern. Der Begriff „too-big-to-fail“ beschrieb eindrücklich die verheerende Situation, in der es sich Staaten nicht erlauben konnten, die Banken untergehen zu lassen, da dies eine noch tiefere Krise nach sich ziehen würde.

Notenbanken senkten die Zinsen historisch tief auf Null Prozent – der Beginn der jahrelangen Nullzinsphase, die wir bis vor kurzem noch hatten. Man konnte sich Geld quasi zum Nulltarif leihen. Das förderte Investitionen, was die Wirtschaft stützte. Trotzdem dauerte es bis 2013, bis die alten Höchststände der Aktien-Indizes wieder erreicht wurden.

In Europa (insbesondere in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal) mutierte die Bankenkrise zur Staatsschuldenkrise. Dort dauerte die wirtschaftliche Erholung teilweise ein ganzes Jahrzehnt oder länger, begleitet von extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit und harten Sparprogrammen.

Der Corona-Crash (2020)

Der bisher letzte große Crash an den Börsen hatte eine andere Ursache als die bisherigen Krisen: Der Ausbruch der Corona-Pandemie und der damit verbundene Einbruch der weltweiten Lieferketten haben zu einem Ausverkauf bei Wertpapieren gesorgt.

Grenzen wurden geschlossen, die Staaten verhängten Lockdowns, das Leben kam fast zum Erliegen. Niemand wusste, wie lange dieser Zustand andauern würde. Natürlich reagierten Anleger panisch und wollten raus aus Aktien und rein in Cash.

Foto von Edwin Hooper auf Unsplash

Was folgte, war der schnellste Crash der Geschichte. Innerhalb von nur knapp vier Wochen (Februar bis März 2020) krachte der DAX um rund 40 Prozent nach unten. Dass es nicht noch schlimmer kam, lag auch daran, dass die nach 1987 eingeführten Handelsstopps mehrfach aktiviert wurden.

Ebenso rekordverdächtig war, wie die Notenbanken und Staaten reagierten. Sie pumpten unglaublich viel Geld in den Markt. Kredite wurden zinslos oder sogar mit negativen Zinsen zur Verfügung gestellt. Jeder Amerikaner erhielt 1.200 Dollar Cash von der Regierung. In Deutschland erhielten kleine Betriebe innerhalb weniger Tage bis zu 15.000 Euro als Soforthilfe. Millionen Jobs konnten erhalten bleiben, indem der Staat mit dem sog. „Kurzarbeitergeld“ einen großen Teil des Verdienstausfalls übernahm, wenn Betriebe ihre Mitarbeiter nur noch Teilzeit auslasten konnten.

Alle diese Maßnahmen zielten darauf ab, den Konsum aufrecht zu halten. Wenn die Menschen Angst um ihre Zukunft haben und das Geld weniger wird, fahren sie die Ausgaben natürlich zurück: Restaurantbesuche, Urlaube, Klamotten und auch das alte Auto muss dann noch länger halten. Das merken dann auch die Unternehmen, deren Umsätze fallen. Auch sie müssen beginnen zu sparen, indem sie die Löhne drücken oder sogar Stellen abbauen, was wiederum den Konsum noch weiter einschränkt. Ein gefährlicher Teufelskreis beginnt, sich zu drehen.

Der Plan ging auf: Genauso schnell, wie der Crash kam, erfolgte auch die Erholung. Bereits Ende 2020 haben viele Aktien ihre alten Höchststände wieder erreicht.

Fazit

Die Geschichte der Börsencrashs ist ein unglaublich spannender Teil des großen Finanz-Universums. Niemand kann sie vorhersagen. Die Ursachen waren in der Vergangenheit immer unterschiedlich und auch deren Verläufe erzählen immer eine andere Geschichte. Aber was sie alle gemeinsam haben: Langfristig gesehen erholten sich die Märkte immer, was man sehr eindrucksvoll am historischen Chart des amerikanischen Dow Jones-Index erkennt:

Quelle: finanzen.net

Stell dir vor, ein junger Investor hätte nach dem Crash 2000 das Handtuch geworfen und nicht mehr am Aktienmarkt investiert. Er hätte den unglaublichen Anstieg bis heute verpasst und durch die Inflation viel Geld verloren.

Wenn du an deinem langfristigen Vermögensaufbau arbeitest und einen Zeithorizont von 20, 30 oder 40 Jahren hast, bringst du die beste Voraussetzung mit, zukünftige Crashs gut zu überstehen. Nutze die Erkenntnisse aus den vergangenen Krisen, um dich mental auf die Situation vorzubereiten. Wenn es dazu kommt, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht panikartig zu handeln. Mit einem regelmäßigen Sparplan auf breit gestreute ETFs ist ein Börsencrash erst einmal nichts anderes als eine gute Gelegenheit, günstig einzukaufen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg bei all deinen Anlageentscheidungen und immer einen kühlen Kopf auch in turbulenten Zeiten.

Kommentare und Anmerkungen zum Artikel, gerne an info@plantyourmoney.de


Verfasst von Michael Berchtold am 20. Juli 2026