Was du als junger Investor über den SCHUFA-Score wissen musst
Wer sich schon in jungen Jahren mit seinem langfristigen Vermögensaufbau beschäftigt, legt den Grundstein für seine finanzielle Zukunft. Um sich nicht unbewusst Steine in den Weg zu legen, sollte man unbedingt verstehen, was die SCHUFA ist, was sie macht und welchen Einfluss sie auf die eigene finanzielle Entwicklung haben kann.
SCHUFA steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Es ist eine Firma, mit Sitz in Wiesbaden. Ihr Job ist es, Unternehmen vor Kunden zu schützen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen können. Dazu bewertet sie die Kreditwürdigkeit der Kunden.
Hat jemand eine hohe Kreditwürdigkeit, bedeutet das, er zahlt seine Rechnungen pünktlich und wenn er sich Geld leiht, zahlt er es mit Sicherheit wieder zurück.
Eine geringe Kreditwürdigkeit ist das Gegenteil. Stell dir einfach vor, du hast einem Kumpel 10 Euro geliehen, die du nie wieder gesehen hast. Würdest du ihm beim nächsten Mal wieder Geld leihen? Eher nicht.
Der SCHUFA-Score
Diese Kreditwürdigkeit (man kann auch Bonität sagen) wird anhand eines Rankings gemessen. Ein Algorithmus errechnet für jede registrierte Person einen SCHUFA-Score, der zwischen 100 und 999 Punkten liegt.
Je höher die Punktzahl, desto besser:
- 776 bis 999 Punkte: Hervorragend
- 709 bis 775 Punkte: Gut
- 642 bis 708 Punkte: Akzeptabel
- 100 bis 641 Punkte: Ausreichend (erhöhtes Ausfallrisiko)
Was beeinflusst meinen Score?
Es gibt Kriterien, die den Score positiv oder negativ beeinflussen. Das sind für dich die entscheidenden Faktoren, die du kennen musst, um nicht unbewusst eine schlechte Bewertung zu bekommen.
Zahlungsstörung
Ein wichtiger Einflussfaktor für den SCHUFA-Score ist das bisherige Zahlungsverhalten, also der Umgang mit Zahlungsverpflichtungen wie z.B. Rechnungen oder Krediten. Wenn Zahlungsverpflichtungen nicht bezahlt bzw. zurückbezahlt werden, spricht die SCHUFA von Zahlungsstörungen. Diese können von Unternehmen an die SCHUFA übermittelt werden, wenn ein fällig gewordener Betrag nicht beglichen und auch nach mindestens zwei schriftlichen Mahnungen nicht gezahlt wurde.
Konto/Kreditkarte
Wenn du innerhalb von 12 Monaten mehrfach neue Girokonten eröffnest oder Kreditkarten beantragst, verschlechtert das den Score. Statistisch gesehen, kommt es bei Menschen mit vielen Konten und Karten häufiger zu Zahlungsausfällen.
Da es heutzutage total einfach und schnell geht, ein Konto zu eröffnen, tappt man schnell in diese Falle. Das geht alles vom Handy aus und ist in wenigen Minuten erledigt.
Ratenkredite
Dazu zählen Konsumkredite, beispielsweise für Möbel, Autos oder Elektrogeräte, die man auf Raten kauft. Natürlich kommt man bei einer großen Anschaffung, wie bei einem Auto, oft nicht um einen Kredit herum. Aber muss ich mir wirklich das neueste iPhone für über 1.000 Euro auf Pump kaufen? Für den SCHUFA Score, und übrigens auch für den Vermögensaufbau, ist es hier besser, vernünftig zu bleiben.
Anders ist es tatsächlich bei Immobilienkrediten. Diese haben sogar einen positiven Effekt auf den Score! Das klingt erst mal widersprüchlich, hat aber einen nachvollziehbaren Grund:
Die Statistik zeigt, dass es bei Personen mit Immobilienkrediten seltener zu Zahlungsausfällen kommt. Das liegt daran, dass neben einer besonders ausführlichen Kreditwürdigkeitsprüfung durch die Bank, die Gewährung von Immobilienkrediten meist an eine stabile finanzielle Situation geknüpft ist. Das ist gut für den Score.
Dauer Wohnadresse
Je länger eine Person an derselben Adresse wohnt, desto positiver ist der Einfluss auf den SCHUFA-Score. Denn die Statistik zeigt: Wer erst seit kurzem an einem Wohnsitz wohnt, hat ein erhöhtes Risiko in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Der positive Einfluss auf den SCHUFA-Score nimmt mit der Zeit zu – je länger man an derselben Adresse wohnt.
Das ist natürlich ein Kriterium, welches für junge Vermögensaufbauer schwierig zu erfüllen ist. In jungem Alter baut man sich sein Leben erst auf, macht eine Ausbildung, studiert, geht ins Ausland oder nimmt einen Job in einer anderen Stadt an. Da ist es völlig normal, dass man häufig den Wohnsitz ändert. Es ist also nicht schlimm, wenn du bei diesem Kriterium nicht die volle Punktzahl hast.
Es gibt insgesamt 12 Kriterien, die Einfluss auf den SCHUFA Score haben. Um euch nicht zu langweilen, gehe ich hier nicht auf alle im Detail ein. Aber ihr seht anhand der Beispiele, in welche Richtung es geht: Bist du jemand, der für finanzielle Vernunft und Stabilität steht? Oder lebst du auf Pump und deine Finanzplanung entspricht eher dem Zufallsprinzip? Genau das versucht der Algorithmus auf Basis der gesammelten Daten herauszufinden.
Wen betrifft das?
Vielleicht denkst du dir jetzt: Ich habe nie was von der SCHUFA gehört, hab mich dort nicht registriert oder sonst irgendwie eingewilligt, dass meine Daten dort verarbeitet werden. Betrifft mich also nicht.
Leider ist das nicht der Fall. Aktuell verwaltet die SCHUFA ca. 68 Millionen Einträge von Menschen. Man kann also sagen, fast jeder hat einen Score.
Sobald du ein Konto eröffnest, einen Handyvertrag abschließt oder einen „Pay-Later“ Dienst nutzt, bist du automatisch dabei und es wird ein SCHUFA-Score für dich errechnet. Ab dem Moment, in dem du also am Wirtschaftsleben beteiligt bist, kennt dich die SCHUFA. Die Chancen sind also hoch, dass es für dich bereits einen Score gibt.
Ich weiß, das klingt erst mal irritierend. In Zeiten, in denen man nicht mal einen Spielerpass beim Fußballverein bekommt, ohne eine mehrseitige Datenschutz-Einverständniserklärung auszufüllen und zu unterschreiben, scheint es total unverständlich, dass eine Firma sensible Daten über deine wirtschaftliche Situation auswertet. Und das auch noch, ohne dass man es richtig mitbekommt.
Berechtigtes Interesse
Das System basiert auf dem Prinzip des „berechtigten Interesses“. Das ist in der Datenschutzgrundverordnung im Artikel 6 geregelt. Die Bank, die Handyfirma oder der Online-Händler haben ein berechtigtes Interesse daran, dass Verbraucher ihren Teil des Vertrages einhalten: Die Bezahlung des vereinbarten Kaufpreises bzw. Rückzahlung eines Kredites.
Das schützt den Händler, aber am Ende schützt es auch den Verbraucher. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit, vernünftig mit Geld umzugehen. Der „Pay-Later“ Button ist da oft sehr verführerisch und verleitet dazu, sich Dinge zu gönnen, die man sich eigentlich nicht leisten kann. Man lebt über seinen Verhältnissen.
Am Ende profitiert das gesamte Wirtschaftssystem davon, dass es diese Überwachungsfunktion gibt und Geschäfte nur dann abgewickelt werden, wenn der Verbraucher sich das auch leisten kann. Ich empfehle an dieser Stelle den Beitrag zu Börsencrashs. Der Konsum auf Pump führte 1929 zur Börsenkrise und zur großen Wirtschaftsdepression.
Rechtlich wird die Übertragung der Daten auch dadurch abgesichert, dass im Kleingedruckten in der Regel die sogenannte SCHUFA-Klausel enthalten ist, wenn du ein Konto eröffnest. Damit wirst du rechtlich darüber informiert, dass deine Daten an die SCHUFA übermittelt werden.
Welche Konsequenzen hat ein schlechter Score?
Für dich als jungen Menschen ist es wichtig, zu verstehen, wie wichtig ein guter SCHUFA-Score ist bzw. wie dich ein niedriger Score ausbremsen kann.
Dein erster fahrbarer Untersatz: Endlich frei! Das eigene Auto hat immer noch eine große Bedeutung für junge Menschen: einfach hinzufahren, wohin man will, wann man will.
Das Problem ist nur: Autobanken verlangen eine gute Bonität, bevor sie einen Kredit gewähren. Ist der Score schwach, gibt es entweder gar kein Auto oder nur Verträge mit sehr hohen Zinsen.
Noch teurer wird es, wenn du später einmal eine Familie gründen und eine Immobilie finanzieren möchtest. Da geht es schnell um mehrere hunderttausend Euro, die man finanzieren muss. Da macht es viel aus, wenn man aufgrund eines schlechten SCHUFA-Scores einen Prozentpunkt mehr an Zinsen zahlen muss.
Merk dir einfach: Firmen stellen bei der SCHUFA Anfragen über dich, bevor sie einen Vertrag mit dir eingehen. Wenn die SCHUFA Auskunft darauf hindeutet, dass du nicht vertrauenswürdig mit Geld umgehst, bekommst du im besten Fall nur schlechtere Konditionen. Im schlechtesten Fall wirst du abgelehnt.
Wie habe ich Einblick in meine Daten?
Ich kann es nur jedem empfehlen, sich Zugang zu den eigenen SCHUFA Daten zu verschaffen. Zum Glück ist das kein großes Ding. Nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO hast du das Recht, deine Daten kostenfrei anzufordern.
Es gibt zwei Wege, wie du Einsicht bekommst. Auf meineschufa.de/service/datenkopie kannst du eine Datenkopie beantragen. Innerhalb weniger Tage bekommst du dann Post von der SCHUFA, mit allen lnformationen, die über dich gesammelt wurden.
Etwas moderner, schneller und komfortabler ist der Weg über bonify. Wenn du dich hier registrierst, hast du jederzeit Zugang per App oder am Rechner.

Ich kann auf jeden Fall empfehlen, den bonify-Online-Zugang zu nutzen. Dort wird dir sofort dein aktueller Score angezeigt und du siehst bei jeder der zwölf Kategorien, wie du abgeschnitten hast.

Damit bekommst du ein gutes Gefühl dafür, was deinen Score nach oben oder nach unten beeinflusst hat.
Fazit – Datenkrake oder Unterstützer?
Der Begriff SCHUFA ist tendenziell negativ behaftet. Vergleichbar mit den Punkten in Flensburg, welche bei zu hoher Anzahl zum Führerscheinentzug führen. Klar, das System ist darauf aufgebaut, sensible Daten zu sammeln um Menschen in Kategorien „gut – schlecht“ einzuteilen. Das gibt einem irgendwie ein ungutes Gefühl der Überwachung und Bevormundung.
Trotzdem möchte ich eine Lanze für die SCHUFA brechen. Die Geschichte hat gezeigt, was schief gehen kann, wenn wirtschaftliche Aktivitäten ohne Regeln ablaufen. Uns geht es als Gemeinschaft sicherlich besser, wenn alle disziplinierte finanzielle Entscheidungen treffen.
Deshalb hat die SCHUFA meiner Meinung nach ein viel schlechteres Image, als ihr zusteht. Sag mir gern, wie du darüber denkst: info@plantyourmoney.de

