Wunderkind mit 40 Mrd. Dollar Fonds
Die Geschichte von Leopold Aschenbrenner ist eine dieser spannenden Themen, welche das Börsengeschehen so interessant machen.
Bereits mit 15 Jahren wechselte der Deutsche von einer Berliner Schule in die USA, um an der Columbia University sein Studium in Wirtschaftswissenschaften aufzunehmen. Das schloss er mit nur 19 Jahren als Jahrgangsbester ab!
2023 stieg er bei OpenAI ein, die Firma hinter ChatGPT. Dort arbeitete er im sog. „Superalignment-Team“, welches sich mit künftigen Super-KIs beschäftigte. Im Frühjahr 2024 geriet er im Zuge interner Turbulenzen bei OpenAI in die Schlagzeilen. OpenAI entließ ihn wegen eines angeblichen Durchstechens vertraulicher Informationen.
Aschenbrenner bestritt die Vorwürfe und argumentierte öffentlich, dass seine Entlassung eher politisch motiviert gewesen sei, weil er intern auf kritische Sicherheitsmängel und mangelnden Schutz vor Spionage (insbesondere aus China) hingewiesen hatte.
Als Reaktion veröffentlichte er im Juni 2024 sein spektakuläres Manifest Situational Awareness – The Decade Ahead. Darin legte er detailliert dar, warum er glaubt, dass wir bereits bis 2027 eine menschlich überlegene Künstliche Intelligenz (Superintelligenz) sehen werden. Das Dokument schlug in der Silicon-Valley-Tech-Szene und in Washington hohe Wellen.
Gründung des eigenen Investmentfonds
Um seine Thesen wirtschaftlich umzusetzen, gründete Aschenbrenner im selben Jahr einen eigenen Investmentfonds (Situational Awareness Ventures). Am Anfang war der Fonds mit 250 Millionen Dollar Startkapital ausgestattet.
Aschenbrenner setzte mit dem Fonds voll auf den KI-Infrastruktur Trade. Er investierte also in die Unternehmen, welche die physischen Voraussetzungen für Künstliche Intelligenz liefern, wie z.B. Stromversorger. Darüber hinaus, kaufte er Aktien von Krypto-Minern. Aber nicht, weil er an Krypto glaubt, sondern weil diese Firmen bereits über Grundstücke, Stromverträge, Umspannwerke und Kühlsysteme verfügen, die schnell zu KI-Rechenzentren umgebaut werden können.
Auf der anderen Seite wettete der Fonds gegen etablierte Halbleiter- und Chip-Giganten wie Nvidia, Broadcom oder AMD.
Was ist schiefgegangen?
Am Anfang lief alles gut. Das Fondsvolumen ist schnell auf bis zu 40 Milliarden Dollar angestiegen. Es lief für Aschenbrenner.
Die Kehrseite war aber, dass er eine aggressive Strategie verfolgte und mit einem 4-fach Hebel arbeitete. Was das bedeutet, lässt sich ganz einfach an einem Beispiel erklären:
Stell dir vor, du hast 100 Euro. Dazu leihst du dir 300 Euro von einem Freund. Für die 400 Euro kaufst du dir eine Aktie.
Steigt die Aktie um 10 %, machst du 40 Euro plus. Mit nur 100 Euro Eigenkapital hast du statt 10 Euro, 40 Euro verdient. Also 4-fach gehebelt.
Du wirst es dir schon denken. Was in die eine Richtung geht, geht auch in die andere. Sinkt die Aktie um 10 % machst du 40 Euro Verlust. Aber jetzt kommts: Sinkt die Aktie sogar um 25 %, erleidest du einen Totalschaden. Deine 100 Euro sind komplett weg. Die restlichen 300 Euro musst du deinem Kumpel zurückgeben.
So ein Fonds leiht sich natürlich das Geld nicht bei Freunden und Bekannten. Das läuft über Bankkredite. Und Banken wollen Sicherheiten. Wenn ein Fonds, dem sie Geld geliehen haben, fällt, lösen sie den sog. „Margin Call“ aus. Damit fordert die Bank den Fonds auf, Geld nachzuschießen, als Sicherheit, dass der Kredit zurückgezahlt wird.
Genau das ist dem Fonds von Leopold Aschenbrenner passiert. Im Juli gab es im Tech-Sektor eine Korrektur an den Aktienmärkten. Genau die Aktien, auf die der Fonds setzte, sind gesunken:
SK Hynix, Micron Technology, SanDisk, etc.
Gleichzeitig sind Aktien gestiegen, bei denen der Fonds auf fallende Kurse gewettet hat. Bei sog. Short-Positionen gewinnt man nur, wenn die Kurse fallen. Steigen sie, verliert man.
Durch den starken Hebel wirkte sich diese Kombination verheerend auf den Fonds aus und die Banken wollten Sicherheiten sehen. Aschenbrenner musste schnell an Geld rankommen, um die Banken zu beruhigen. Da er das nicht hatte, musste er einen großen Teil der Aktien des Fonds verkaufen.
Das Ergebnis ist, dass sich das verwaltete Vermögen von ursprünglich 40 Milliarden Dollar auf 10 Milliarden reduziert hat. Der Restwert besteht hauptsächlich aus illiquiden Vermögenswerten, wie Private-Equity-Anteilen an Anthropic.
Was können wir daraus lernen?
Für uns als private Vermögensaufbauer ist es wichtig, die Fakten und Hintergründe solcher Börsen-Geschichten genau zu verstehen. Dadurch können wir unsere eigenen Schlüsse ziehen und bessere Investitionsentscheidungen treffen.
Wenn selbst ein Wirtschafts-Wunderkind Schwierigkeiten am Aktienmarkt hat, zeigt das wie hoch das Risiko sein kann. Besonders wenn man mit Fremdkapital-Hebel arbeitet und auf einzelne Aktien spekuliert.
Lasst uns die vier Faktoren untersuchen, die zum Einbruch des Fonds geführt haben:
Spekulation auf Nischen-Aktien statt breiter Markt
Aschenbrenners Fonds ist fokussiert auf den KI-Infrastruktur-Bereich. Eine Fokussierung wie diese ist riskant, eben wenn die Wette nicht aufgeht.
Während der Nasdaq 100 nur 10 % verlor, erlebten die Kern-Positionen des Fonds im Juli einen historischen Absturz von bis zu -50%! Sein Portfolio verlor im Schnitt über 35 % an Wert – also mehr als dreimal so viel wie der breite Markt.
Learning: Für uns Langfrist-Anleger gilt: Risiko breit streuen, nicht auf einzelne Aktien oder Branchen setzen. Am Besten geht das mit einem Sparplan auf einen Welt-ETF.
Die Mathematik des 4x Hebels
Aschenbrenner hat sich Geld geliehen, um es in Aktien zu investieren. Der dadurch entstandene Hebel wirkt brutal, in beide Richtungen. Wenn alles gut geht, macht man damit ein gutes Geschäft. Wenn es schief geht, wird es gefährlich für das Depot.
Learning: Junge Vermögensaufbauer haben etwas viel Besseres als einen Hebel: Zeit!
Es geht nicht darum, über Nacht reich zu werden. Viel wichtiger ist, in sich selbst zu investieren, einen Beruf zu erlernen und einen kleinen Teil vom Einkommen diszipliniert für den langfristigen Aufbau des Vermögens zu verwenden. Der Zinseszins-Effekt erledit den Rest.
Die Unberechenbarkeit des Marktes
Leopold Aschenbrenner ist sicherlich ein beeindruckender Mensch. Wer mit 15 Abi macht und mit 19 als Jahrgangsbester einer Elite-Uni geehrt wird, hat sicherlich einiges auf dem Kasten.
Trotzdem kann einfach niemand vorhersagen, wie sich der Markt oder einzelne Aktien entwickeln wird. Ein Depot mit Wetten auf fallende und steigende Kurse einzelner Aktien birgt immer ein hohes Risiko.
Learning: Statt zu versuchen, hellseherisch Aktienkurse vorherzusagen, sollte man in den breiten Markt investieren. Mit einem breit gestreuten ETF wie dem MSCI World investiert man gleichzeitig in über 1.000 Unternehmen. Schwächelt eine Branche (wie z.B. die Autobauer) wird der Verlust durch die Performance in anderen Bereichen aufgefangen (wie z.B. KI). Die Chance, dass gleichzeitig alle Aktien sinken, ist gering (aber nicht ausgeschlossen, wie in der Pandemie Anfang 2020!)
Wer sich für Wirtschaft, Finanzen und Börse interessiert, der liebt solche Stories wie die vom Fonds Situational Awareness und seinem außergewöhnlichen Manager, Leopold Aschenbrenner. Sie bieten wunderbare Möglichkeiten, daraus zu lernen, um selbst ein besserer Investor zu werden.
Ich wünsche dir auf deinem persönlichen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit viel Erfolg!
Dein Michael
Titelfoto von Adam Śmigielski auf Unsplash

