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16. Oktober 2026

Themen des Tages: Wenn der KI-Boom ins Stottern gerät, Rüstungsaktien drehen und die Drei-Jahres-Regel hilft

Willkommen zu den heutigen Themen des Tages! Die Märkte zeigen sich aktuell von ihrer wechselhaften Seite: Während der Hype um Künstliche Intelligenz an den Kreditmärkten auf erste Dämpfer stößt, melden sich klassische Branchen und Rüstungskonzerne stark zurück. Zudem schauen wir uns heute genauer an, wie du als langfristiger Investor kühlen Kopf bewahrst, wenn Werte im Depot zweistellig im Minus stehen.

1. Warnsignale im KI-Sektor: Wenn das Wachstum teuer wird

In den letzten zwei Jahren schien es für Unternehmen rund um das Thema Künstliche Intelligenz nur eine Richtung zu geben: steil nach oben. Doch hinter den Kulissen zeichnet sich ab, dass das extrem schnelle Wachstum enorm viel Geld verschlingt – und genau das sorgt an den Finanzmärkten zunehmend für Nervosität.

Warum der Kapitalbedarf steigt

Der Aufbau von Rechenzentren, der Kauf von Spezialchips und die Absicherung der enormen Stromversorgung erfordern unvorstellbare Investitionen. Allein für die führenden Cloud- und Technologiekonzerne wie Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle werden für das laufende Jahr Gesamtinvestitionen von knapp 800 Milliarden Dollar erwartet; bis 2027 könnte diese Summe auf 1,1 Billionen Dollar ansteigen.

Große Konzerne können einen Teil dieser Ausgaben aus ihrem laufenden operativen Geschäft stützen. Ganz anders sieht es bei kleineren Anbietern, sogenannten Neoclouds oder hochverschuldeten Spezialisten aus: Sie sind zwingend darauf angewiesen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt über Kredite oder Unternehmensanleihen zu besorgen.

Das Beispiel CoreWeave

Ein Beispiel dafür ist der Rechenzentren-Betreiber CoreWeave. Das Unternehmen kauft im großen Stil KI-Chips von Nvidia, baut Recheninfrastruktur auf und vermietet diese Rechenleistung weiter an Kunden wie OpenAI oder Microsoft.

Obwohl CoreWeave auf einen prall gefüllten Auftragsbestand von rund 104 Milliarden Dollar blickt, schlagen Anleihemärkte Alarm: Eine Anleihe des Unternehmens mit Laufzeit bis 2032 fiel zeitweise unter 78 Prozent ihres Nennwerts. Über Kreditausfallversicherungen wird mittlerweile eine deutliche Wahrscheinlichkeit für Zahlungsschwierigkeiten eingepreist. Wenn sich Unternehmen Geld zu hohen Zinsen leihen müssen, die geförderten Projekte aber nicht schnell genug hohe Renditen abwerfen, kann selbst starkes Umsatzwachstum unter dem Strich Wert vernichten.

Was bedeutet das für Nvidia und das KI-Ökosystem?

Sollten Kunden wie CoreWeave Schwierigkeiten bekommen, neue Rechenzentren günstig zu finanzieren, bremst das mittelbar deren Nachfrage nach neuer Hardware. Damit entsteht ein indirektes Risiko für Hardware-Hersteller wie Nvidia: Kann die Lieferkette dahinter nicht mehr rentabel finanziert werden, gerät der Motor des gesamten Sektors ins Stocken.

Auch Entwickler wie Anthropic verzeichnen zwar nach wie vor hohe Umsätze – im vergangenen Quartal stieg der Umsatz auf rund 17 Milliarden Dollar –, das Wachstum verlangsamte sich im Vergleich zur vorherigen Verdopplung jedoch spürbar.

2. Rüstungsaktien und Sektor-Rotation: Rheinmetall wieder über 1.000 Euro

Während Tech-Aktien und Speicherchip-Hersteller (wie SK Hynix, Micron oder Samsung) zuletzt unter Abgabedruck gerieten, erlebten Rüstungs- und Industrieaktien eine spürbare Erholung.

Der jüngste Kurssprung bei Rheinmetall

Die Aktie des Düsseldorfer Konzerns Rheinmetall legte innerhalb einer Handelswoche spürbar zu und stieg wieder über die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro auf 1.034,40 Euro. Zuvor hatte der Titel im Jahresverlauf deutliche Verluste hinnehmen müssen.

Wie sehen die Fundamentaldaten aus?

Trotz der Kursschwankungen in den vergangenen Monaten ist der Auftragsbestand von Rheinmetall auf ein Rekordniveau von über 80 Milliarden Euro geklettert. Im Vergleich dazu erwartet das Management für das laufende Jahr einen Jahresumsatz von rund 14 Milliarden Euro. Rechnerisch ist der Konzern damit für mehrere Jahre voll ausgelastet.

Neu hinzukommende Aufträge unterstreichen die globale Nachfrage:

  • Ein Großauftrag aus einem NATO-Staat über eine fünfstellige Anzahl von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen im dreistelligen Millionen-Bereich.
  • Ein Auftrag der US-Army über 220 Millionen Dollar für Maschinengewehrlafetten.
  • Ein Marine-Projekt in Rumänien im Rahmen des europäischen SAFE-Programms.

Das Management strebt an, den Umsatz bis zum Jahr 2030 auf 50 Milliarden Euro zu steigern. Als Bremsklotz wirkten in der Vergangenheit vor allem der hohe Kapitalbedarf für den Kapazitätsaufbau (Capex) sowie ein vorübergehend negativer Free Cashflow im zweiten Quartal.

3. Die Drei-Jahres-Regel: Wann macht ein Verkauf im Depot Sinn?

Anleger stehen regelmäßig vor einer mentalen Hürde, wenn eine Position im Depot im Minus steht: Soll man abwarten oder Verluste begrenzen? Die Verhaltensökonomie zeigt, dass Verluste psychologisch etwa doppelt so schwer wiegen wie gleich hohe Gewinne. Das führt häufig dazu, dass Gewinner zu früh verkauft und Verlustbringer aus reiner Hoffnung zu lange gehalten werden.

Um diesen emotionalen Fallstricken vorzubeugen, hat der US-Investor Mohnish Pabrai die sogenannte Drei-Jahres-Regel formuliert:

Die drei Schritte der Regel

  1. Kein Verkauf aus Panik in den ersten 2-3 Jahren: Eine Aktie wird in den ersten zwei bis drei Jahren nicht mit Verlust verkauft, solange nicht klar belegbar ist, dass der tatsächliche innere Wert des Unternehmens nachhaltig unter dem aktuellen Börsenkurs liegt.
  2. Zielgerichteter Ausstieg bei fairem Wert: Sobald der Aktienkurs etwa 90 Prozent des ermittelten inneren Werts erreicht, wird schrittweise verkauft, um Gewinne zu sichern und das Kapital neu einzusetzen.
  3. Konsequente Bilanz nach drei Jahren: Steht eine Position nach drei Jahren immer noch deutlich im Minus, wird ohne Ausreden Bilanz gezogen. Hat sich das operative Geschäft nicht erholt, lag man mit der ursprünglichen These falsch und der Verlust sollte realisiert werden.

Praxisbeispiele im Vergleich

  • Siemens Energy: Nach schweren Problemen in der Windkraftsparte im Jahr 2023 brach die Aktie zeitweise unter 7 Euro ein. Wer den inneren Wert analysierte, sah, dass Gasturbinen und Netztechnik intakt waren. Wer Geduld bewahrte, erlebte bis 2026 den Wiederanstieg des Kurses, gestützt durch einen Rekordauftragsbestand von 138 Milliarden Euro.
  • Porsche AG: Die Vorzugsaktie ging im September 2022 zu 82,50 Euro an die Börse. Drei Jahre später lag der Kurs weit darunter, belastet durch schwächere Margen, Probleme im China-Geschäft und Restrukturierungskosten. Nach Ablauf von drei Jahren zeigt die Analyse, dass sich die fundamentalen Rahmenbedingungen verschlechtert haben.

4. Kurzmeldungen aus der Unternehmenswelt

  • BMW: Der Münchner Automobilkonzern hat sein internes Portal für freiwillige Aufhebungsverträge vorübergehend gesperrt, nachdem unerwartet viele Anträge eingingen. Bis Ende 2027 plant BMW den Abbau von bis zu 8.000 Stellen, was ab 2028 jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro bringen soll.
  • Siemens Mobility: Das Unternehmen hat einen Großauftrag über Batteriezüge nach Niedersachsen gemeldet. Der Auftragswert liegt bei über zwei Milliarden Euro und beinhaltet Instandhaltungsleistungen über einen Zeitraum von 30 Jahren.
  • Garmin: Der Hersteller von Sport- und Navigationsgeräten hat in den letzten Jahren seinen Wandel vollzogen. Machten Automobil-Navis 2013 noch 60 Prozent des Umsatzes aus, entfallen heute über 60 Prozent auf die Bereiche Fitness und Outdoor. Besonders margenstark zeigt sich das Luftfahrt-Segment mit einer Bruttomarge von rund 75 Prozent.

Fazit & Blick auf das Portfolio

Die Entwicklungen an den Märkten zeigen deutlich, wie schnell Stimmungen kippen können. Während spekulative Hypes oder stark fremdfinanzierte Wachstumsstories bei steigenden Zinsen schnell unter Druck geraten, zahlt sich ein nüchterner Blick auf Unternehmenswerte, Auftragsbücher und Cashflows aus.

Für Anleger, die auf einen langfristigen Vermögensaufbau setzen, gilt: Einzelaktien bringen immer spezifische Risiken mit sich. Wer sein Kapital über breit gestreute Welt-ETFs anlegt und über regelmäßige Sparpläne investiert, macht sich unabhängig von den Kursschwankungen einzelner Sektoren und nutzt den Zinseszins über viele Jahre hinweg optimal aus.

Kommentare und Anregungen: gerne an info@plantyourmoney.de oder auf Instagram.


Quellen:
Diese Informationen stammen aus Newslettern folgender Herausgeber: Business Insider Daily, OAWS, finanzen.net und Finanztrends.

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